
Der Naturschutz steht vor seiner größten Herausforderung: Jede zweite Tier- und Pflanzenart in bedeutenden Naturregionen könnte bis 2080 verschwinden, wenn die Treibhausgasemissionen wie bisher fortschreiten. Die Erde ist bereits 1,1 °C wärmer als im 19. Jahrhundert, und die Zahl klima- und wetterbedingter Naturkatastrophen liegt heute fünfmal höher als vor 50 Jahren. Wir erleben ein vom Menschen verursachtes Artensterben in beispielloser Geschwindigkeit. In diesem Artikel untersuchen wir, warum unsere Tierwelt so rasant verschwindet, welche Arten besonders betroffen sind und was Naturschutz und Landschaftsplanung jetzt leisten müssen.
Die alarmierenden Zahlen: Wie schnell unsere Arten verschwinden
Aktuelle Verlustrate der Biodiversität
Etwa 150 Arten sterben täglich unwiderruflich aus. Diese Zahl mag abstrakt klingen, doch sie bedeutet, dass wir 150 einzigartige Evolutionslinien verlieren, die über Jahrmillionen entstanden sind. Eine Million Tier- und Pflanzenarten drohen innerhalb der nächsten Jahrzehnte auszusterben. Der Weltbiodiversitätsrat IPBES schätzt, dass etwa 25 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten gefährdet sind, darunter 40 Prozent der Amphibien sowie etwa ein Drittel der Korallen.
Die Zahlen für einzelne Tiergruppen zeichnen ein noch dramatischeres Bild. Über ein Viertel aller Säugetierarten steht auf der roten Liste, rund ein Achtel der Vogelarten und über 30 Prozent der Haie und Rochen. Zusätzlich sind etwa 10 Prozent aller Insekten vom Aussterben bedroht. In Europa starben in den vergangenen 42 Jahren über 600 Millionen Vögel aus. Eine Langzeitstudie dokumentiert einen Rückgang der Biomasse an Insekten um mehr als 75 Prozent innerhalb von 27 Jahren.
Der menschliche Einfluss hat 75 Prozent der Landoberfläche und 66 Prozent der Meeresfläche verändert. Seit 1870 verschwand die Hälfte aller lebenden Korallen. In den letzten 300 Jahren gingen 85 Prozent aller Feuchtgebiete wie Moore verloren. Besonders alarmierend: Durch menschliche Aktivitäten gehen Pflanzen- und Tierarten 1.000 Mal schneller verloren, als neue entstehen und auf natürliche Weise aussterben würden.
Vergleich mit früheren Aussterbewellen
Das Artensterben geht bis zu einhundertmal schneller voran als in den letzten zehn Millionen Jahren. Wir befinden uns im größten Artensterben seit dem Ende der Dinosaurierzeit vor 65 Millionen Jahren. Das letzte Massenaussterben ereignete sich vor rund 66 Millionen Jahren, als ein kilometergroßer Asteroid auf der Erde einschlug.
In der Erdgeschichte gab es bereits fünf große Massenaussterben. Der IPBES-Bericht liefert wissenschaftliche Belege dafür, dass wir Menschen die Hauptursache für das dramatische Artensterben sind. Ein direkter Vergleich mit früheren erdgeschichtlichen Krisenzeiten bleibt allerdings problematisch, da gegenwärtig anthropogene Faktoren dominieren.
Warum die Geschwindigkeit zunimmt
Der Klimawandel verschärft die Situation dramatisch. Studien belegen: Mit einem Anstieg der globalen Temperaturen um 1,5 Grad erhöht sich das Aussterberisiko von Tieren und Pflanzen um 4 Prozent. Bei einem Anstieg von 3 Grad steigt dieses Risiko auf 26 Prozent. Sollte die globale Temperatur um 4,5 Grad ansteigen, könnten wir 50 Prozent aller Arten verlieren, die in den wichtigsten Naturregionen der Welt leben.
Die Gründe für den enormen Rückgang der Biodiversität liegen vor allem in den veränderten Lebensbedingungen, die die Klimaerhitzung mit sich bringt. Steigende Temperaturen werfen natürliche Zyklen durcheinander. Mehrere Zugvogelarten erreichen ihre Brutgebiete früher, wodurch die Küken keinen Zugang zur richtigen Nahrungsversorgung haben. Ähnlich verhält es sich mit Fischen in Nord- und Ostsee: Als die Gewässer wärmer werden, laichen sie früher im Jahr ab, doch die Nahrung ist dann knapp und mehr Larven verhungern.
Der Klimawandel wirkt sich direkt auf viele Insekten wie Hummeln aus, die mit Perioden extremer Hitze Schwierigkeiten haben. Pflanzen wie die Hasel blühen mittlerweile viel früher. Dies beeinträchtigt die Insekten wie Schmetterlinge, die sich von den Blüten ernähren. Die Insekten wiederum dienen Singvögeln als Nahrung, deren Zahlen ebenfalls zurückgehen.
Hauptursachen für das beschleunigte Artensterben
Klimawandel als Treiber
Rund die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten in den weltweit bedeutendsten Naturregionen werden mittelfristig dem Klimawandel zum Opfer fallen. Sollten die menschengemachten Emissionen an Treibhausgasen wie bisher fortschreiten, würde jede zweite Art bis zum Jahr 2080 aus den untersuchten Gebieten verschwinden. Selbst wenn das Zwei-Grad-Limit eingehalten wird, fiele der Rückgang der Artenvielfalt noch erheblich aus: In diesem Fall würde noch jede vierte Spezies in den Schlüsselregionen verschwinden.
Naturparadiese wie der Amazonas oder die Galapagosinseln drohen noch zu Lebzeiten unserer Kinder weitreichend zerstört und der Hälfte ihrer Tier- und Pflanzenarten beraubt zu werden. Die Bestände des Afrikanischen Elefanten werden deutlich zurückgehen aufgrund steigender Temperaturen und sinkenden Niederschlags. Bengalische Tiger könnten 96 Prozent ihres Verbreitungsgebiets auf dem indischen Subkontinent verlieren, wenn die durchschnittliche Temperatur um 4,5 Grad steigt. Um zu überleben, werden zahlreiche Arten gezwungen, sich anzupassen, entweder an die neuen Begebenheiten vor Ort oder durch Abwanderung in andere Gebiete. In vielen Fällen wird dies jedoch nicht möglich sein, aufgrund von menschlicher Infrastruktur, aber auch natürlicher Hindernisse wie Flüssen oder Bergen.
Lebensraumzerstörung durch menschliche Aktivitäten
Die direkten Einwirkungen des Menschen sind das größte Problem für die Artenvielfalt. Etwa durch Überfischung in den Meeren sowie Überjagung an Land. Durch die Habitatzerstörung, vor allem an Land, haben Tiere teils keinen Raum mehr zum Überleben. Der «Faktencheck Artenvielfalt» von mehr als 150 Wissenschaftlern zeigt: Mehr als die Hälfte der Ökosysteme befinden sich in einem schlechten Zustand. In Deutschland gibt es praktisch keine Wildnis mehr.
Jährlich werden fast 60 Milliarden Tonnen an Rohstoffen und Ressourcen abgebaut. Die Folge: Riesige Naturflächen werden zu landwirtschaftlichen Nutzflächen umgeändert, Wälder abgeholzt, Flächen überdüngt oder zu stark beweidet. 75 Prozent der Lebensräume an Land und 40 Prozent im Wasser sind durch den Menschen schwerwiegend verändert. Auch in Deutschland gilt laut den Kriterien der IUCN nur noch rund 0,4 Prozent der Landfläche als wild und damit als komplett naturbelassen.
Umweltverschmutzung und invasive Arten
Neben Lebensraumzerstörung und Übernutzung der natürlichen Ressourcen zählen invasive Arten zu den Haupttreibern der Artenkrise weltweit. Weltweit betrachtet waren invasive Arten ein wesentlicher Faktor bei 60 Prozent der beobachteten Aussterbeereignisse. Laut IPBES-Bericht gibt es weltweit mehr als 37.000 gebietsfremde Arten, mehr als 3.500 davon sind invasiv. Das Bundesamt für Naturschutz listet aktuell 107 der gebietsfremden Arten in Deutschland als invasiv, weitere 114 als potentiell invasiv.
Umweltverschmutzung gefährdet Lebensräume zusätzlich. In unseren Ozeanen schwimmen in jedem Quadratkilometer hunderttausende Teile Plastikmüll. Geisternetze machen nach neuesten Studien zwischen 30 und 50 Prozent des Meeresplastiks aus. Die überhöhten Stickstoffeinträge der landwirtschaftlichen Tierhaltung belasten zwei Drittel der empfindlichen Ökosysteme.
Fehlende Wanderkorridore für Tiere
Habitattrennung wird einerseits durch geologische oder klimatische Prozesse verursacht, andererseits aber auch durch menschliche Aktivitäten wie Rodungen und Verkehrswegebau. Habitatfragmentierung und Habitatverlust steigern Extinktionsraten und gehören mit zu den Hauptgründen für den lokalen, regionalen und globalen Diversitätsverlust. Die Mobilität der Tiere wird stark eingeschränkt und der Austausch zwischen Teilpopulationen wird verhindert. Wenn Wildtiere nicht wandern können, droht ihren Tierarten Inzucht. Je kleiner und isolierter die Population, desto größer ist das Risiko, dass die Art ausstirbt.
Besonders betroffene Tiergruppen und ihre Schicksale
Amphibien und Reptilien unter Druck
Amphibien gelten als die weltweit am stärksten gefährdeten Wirbeltiere. Mehr als 40 Prozent aller Amphibienarten stehen auf der Roten Liste. In Deutschland sieht die Situation noch dramatischer aus: 50 Prozent der heimischen Amphibienarten wurden als bestandsgefährdet eingestuft, weitere 15 Prozent befinden sich auf der Vorwarnliste. In der Schweiz stehen 14 von 20 Amphibienarten auf der Roten Liste, darunter zwei Arten des Kamm-Molches, der Teichmolch und die Gelbbauch-Unke.
Die Zerstörung und Verschlechterung von Lebensräumen bleiben die wichtigsten Bedrohungsfaktoren. Amphibien benötigen intakte Gewässer zur Fortpflanzung und feuchte Landhabitate für adulte Tiere. Ihr Doppelleben im Wasser und an Land macht sie besonders empfindlich gegenüber Umweltveränderungen. Hinzu kommt der Klimawandel, der für 39 Prozent der bedrohten Arten zur Hauptbedrohung wurde. Zusätzlich bedrohen Infektionskrankheiten die Bestände: Der Salamanderpilz Batrachochytrium salamandrivorans hat bereits Feuersalamanderpopulationen in Belgien, den Niederlanden und Westdeutschland nahezu ausgerottet.
Bei Reptilien zeigt sich ein ähnliches Bild. In der Schweiz stehen 15 von 19 Arten auf der Roten Liste, drei davon sind vom Aussterben bedroht. Der Verlust von Mikrohabitaten wie trockenen Steinmauern, alten Baumstrünken sowie Ast- und Steinhaufen reduziert kontinuierlich die verfügbaren Lebensräume.
Vogelpopulationen im Wandel
Fast die Hälfte aller Vogelarten zeigt abnehmende Bestände, nur 6 Prozent weisen zunehmende Tendenzen auf. Eine von acht Vogelarten steht auf der globalen Roten Liste. In den letzten 50 Jahren schrumpften die Vogelbestände in Nordamerika und der EU um 3 Milliarden Individuen. In Europa gingen die Vögel im Agrarland seit 1980 um 57 Prozent zurück, während Waldvögel nur um 3 Prozent abnahmen.
Die Ausdehnung und Intensivierung der Landwirtschaft ist die größte Bedrohung für Vögel weltweit, von der 73 Prozent aller bedrohten Arten betroffen sind. Der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln und Düngemitteln gilt als Hauptursache. Insektizide reduzieren die Anzahl an Insekten, die vielen Vogelarten als Futter dienen. In Deutschland verschwanden zwischen 1998 und 2009 etwa 12,7 Millionen Vogelbrutpaare.
Säugetiere zwischen Anpassung und Aussterben
Mindestens 1.141 der weltweit 5.487 Säugetierarten sind gefährdet, 188 werden als vom Aussterben bedroht geführt. Tatsächlich könnte sich der Anteil gefährdeter Säugetiere auf 36 Prozent belaufen. Die Biomasse und der Energieumsatz der Megafauna sanken durch menschliches Handeln um 92 bis 95 Prozent. Habitat-verlust und Raubbau bedrohen besonders große Säugetiere in Südostasien, wo 79 Prozent der Primaten vom Aussterben bedroht sind.
Insekten: Die unsichtbare Katastrophe
Über 3.000 Insektenarten in Deutschland belegen laut Roten Listen eine negative Entwicklung. Die Krefelder Studie dokumentierte einen Rückgang der Fluginsekten um mehr als 75 Prozent innerhalb von 27 Jahren. Bei Schmetterlingen gehen vor allem die Spezialisten verloren, mit dauerhaften Verlusten von über 70 Prozent der Arten. Zikadenpopulationen nahmen über 40 bis 60 Jahre um 54 Prozent ab, im Feuchtgrünland betrugen die Verluste sogar 78 Prozent. Weltweit sind 40 Prozent aller Insektenarten vom Aussterben bedroht. Der Rückgang der Insektenpopulationen gefährdet auch viele andere Arten, da Insekten zahlreichen Amphibien, Vögeln und Fledermäusen als Nahrung dienen.
Warum der Naturschutz nicht Schritt hält
Unzureichende Schutzgebiete
Die schiere Anzahl an Schutzgebieten täuscht über ihre mangelnde Wirksamkeit hinweg. Deutschland stellte 45 Prozent seiner Meeresgebiete nominell unter Schutz, dennoch verklagte die Europäische Kommission das Land wegen Versäumnissen bei der Umsetzung. In 86 Prozent der untersuchten EU-Schutzgebiete wird Fischerei mit lebensbedrohenden Fanggeräten ausgeübt. Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer weist lediglich 0,5 Prozent seiner Fläche als Nullnutzungszonen aus.
Schutzgebiete kranken häufig an fehlenden Managementplänen oder unzureichender Ausstattung. In der Schweiz befinden sich über 80 Prozent der FFH-geschützten Arten und Lebensraumtypen in keinem günstigen Erhaltungszustand. Dreiviertel der rund 7.100 nationalen Biotopobjekte werden ungenügend geschützt und gepflegt. Die Wiederfundrate von Pflanzenarten in Mooren beträgt nur 51 Prozent, bei Trockenwiesen 63 Prozent.

Mangelnde Vernetzung zwischen Fachstellen für Naturschutz
Europa verfügt über den niedrigsten Vernetzungsgrad aller Kontinente mit lediglich 0,3 Prozent. Weltweit sind nur 10 Prozent aller geschützten Flächen miteinander verbunden. Diese Isolation lässt Bestände in ihrer Fragmentierung ersticken. Marine Arten wie der Schweinswal bewegen sich schutzgebietsübergreifend, doch es fehlen gemeinsame Planungsprozesse und länderübergreifende Regelungen.
Die Naturschutzverwaltung in Deutschland erlebte einen massiven Aufgabenzuwachs ohne entsprechende Personalkapazität. Kommunalisierungen führten zu Personaleinsparungen, De-Spezialisierung und De-Qualifizierung. Mitarbeitende konzentrieren sich auf hoheitliche Aufgaben und reagieren überwiegend, anstatt proaktiv Maßnahmen zu entwickeln.
Konflikte zwischen Wirtschaft und Artenschutz
Fast die Hälfte der global erbrachten Wirtschaftsleistung, rund 44 Billionen Dollar jährlich, hängt von intakter Natur ab. Dennoch besteht ein fundamentaler Konflikt zwischen Wirtschaftswachstum und Biodiversitätserhalt. Interessenabwägungen im Umweltrecht sind besonders häufig, da Naturschutz regelmäßig mit anderen öffentlichen oder privaten Interessen kollidiert.
Fehlende finanzielle Ressourcen
Die Biodiversitätsförderung ist seit Jahrzehnten massiv unterfinanziert. Für jeden Dollar, der weltweit in Naturschutz fließt, werden 30 Dollar in dessen Zerstörung investiert. Weltweit flossen 7,3 Billionen Dollar in naturzerstörerische Aktivitäten, während nur 220 Milliarden in Schutzmaßnahmen gingen.
In der Schweiz bräuchte es jährlich zusätzliche 178 Millionen Franken für die Sanierung nationaler Biotope. Das LIFE-Programm der EU erhält nur 0,3 Prozent des Budgets, während ein Drittel in die Gemeinsame Agrarpolitik fließt. Gemeinden setzen im Mittelwert nur 18 Stellenprozente für Naturschutz ein, 45 Prozent geben weniger als 10.000 Franken jährlich aus.
Was jetzt getan werden muss
Verstärkte Zusammenarbeit mit Bund für Naturschutz
Über 18 Millionen Bundesbürger engagieren sich bereits im Umwelt- und Naturschutz. Der Bund Naturschutz in Bayern verzeichnet rund 230.000 Mitglieder in 76 Kreisgruppen. Diese Strukturen gilt es zu stärken und besser zu vernetzen. Das Bundesamt für Naturschutz arbeitet eng mit Länderfachbehörden zusammen und stellt wissenschaftliche Grundlagen bereit. Nur durch koordinierte Anstrengungen zwischen Bund, Ländern und organisierten Naturschutzverbänden lässt sich die Artenkrise bewältigen.
Ausbau von Schutzgebietsnetzwerken
Das Bundesnaturschutzgesetz fordert einen Biotopverbund auf mindestens 10 Prozent der Landesfläche. Aktuell sind weltweit jedoch nur 10 Prozent aller geschützten Flächen miteinander verbunden. Die EU-Biodiversitätsstrategie verlangt, mindestens 30 Prozent der Landfläche unter Schutz zu stellen. Ökologische Infrastruktur muss Kerngebiete und Vernetzungsgebiete umfassen. Biotopverbundprojekte entlang von Gewässern sollten Auenrenaturierungen berücksichtigen. Diese Vernetzung ermöglicht Arten, sich entlang von Korridoren zu verbreiten und bewohnbare Lebensräume aufzusuchen.
Anpassung der Naturschutz- und Landschaftsplanung
Landschaftsplanung muss klimawandelrelevante Fragestellungen integrieren. Die Renaturierung von Ökosystemen bildet den essentiellen Kern aller Biotopverbundstrategien. Grünstrukturen in Städten können Temperaturminderungen bis zu 10 Grad Celsius erzielen. Entsprechend müssen planerische Konzepte anspruchsvoller formuliert werden.
Sofortmaßnahmen gegen Klimawandel
Klimaschutz und Biodiversitätsschutz müssen gemeinsam gedacht werden. Naturbasierte Lösungen wie Aufforstungen oder Moorrenaturierungen binden Kohlenstoff und schaffen gleichzeitig spezialisierte Lebensräume. Die bisher von Staaten zugesicherten Maßnahmen sind zu zaghaft.
Bürgerbeteiligung und Bewusstseinsbildung
Drei Viertel der Erwachsenen erkennen die Dringlichkeit eines transformativen Wandels. 83 Prozent fordern ausreichende finanzielle Förderung des Naturschutzes durch den Staat. Bürgerbeteiligung hat bei Bau- und Infrastrukturvorhaben besondere Bedeutung. Umweltbildung schafft Akzeptanz für Naturschutzmaßnahmen.
Schlussfolgerung
Das Artensterben beschleunigt sich tatsächlich schneller als die meisten von uns wahrhaben wollen. Wir haben die alarmierenden Zahlen gesehen: 150 Arten verschwinden täglich, Millionen Vögel und Insekten sind bereits verloren. Die Ursachen sind gleichermaßen bekannt wie drängend: Klimawandel, Lebensraumzerstörung und mangelnde Vernetzung der Schutzgebiete.
Die gute Nachricht: Wir wissen, was zu tun ist. Stärkere Zusammenarbeit zwischen Naturschutzbehörden, bessere Finanzierung und vor allem entschlossenes Handeln gegen den Klimawandel können den Kollaps noch aufhalten. Der Naturschutz braucht unsere Unterstützung – nicht morgen, sondern jetzt. Jeder Tag zählt im Wettlauf um unsere Artenvielfalt.
FAQs
Q1. Wie wirkt sich der Klimawandel konkret auf Tierpopulationen aus? Der Klimawandel verändert die Lebensbedingungen von Tieren grundlegend. Steigende Temperaturen bringen natürliche Zyklen durcheinander – Zugvögel erreichen ihre Brutgebiete früher, wenn noch nicht genug Nahrung für die Küken vorhanden ist. Fische laichen zu früh ab, sodass ihre Larven verhungern. Insekten wie Hummeln leiden unter extremer Hitze, während Pflanzen früher blühen und damit die Nahrungskette für viele Arten unterbrechen.
Q2. Welche menschlichen Aktivitäten zerstören Lebensräume am stärksten? Die Hauptursachen für Lebensraumzerstörung sind intensive Landwirtschaft, Urbanisierung, Abholzung und Rohstoffgewinnung. Jährlich werden fast 60 Milliarden Tonnen an Rohstoffen abgebaut, wodurch riesige Naturflächen in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt werden. 75 Prozent der Lebensräume an Land und 40 Prozent im Wasser sind durch menschliche Eingriffe schwerwiegend verändert.
Q3. Was sind die Hauptgründe für den dramatischen Biodiversitätsverlust? Die Hauptursachen sind Landnutzungsänderungen durch intensive Landwirtschaft, direkte Ausbeutung durch Überfischung und Überjagung, der Klimawandel, Umweltverschmutzung sowie invasive gebietsfremde Arten. Diese Faktoren wirken oft zusammen und verstärken sich gegenseitig, wodurch etwa 150 Arten täglich unwiderruflich aussterben.
Q4. Warum ist das Aussterben von Arten so problematisch? Das Aussterben einzelner Arten löst Kettenreaktionen aus, die ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen. Wenn beispielsweise Insekten verschwinden, fehlt vielen Vögeln und Amphibien die Nahrungsgrundlage. Auch für Menschen hat dies Folgen, da fast die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung – rund 44 Billionen Dollar jährlich – von intakter Natur abhängt.
Q5. Wie schnell sterben Arten heute im Vergleich zu früheren Zeiten aus? Das aktuelle Artensterben verläuft bis zu einhundertmal schneller als in den letzten zehn Millionen Jahren. Durch menschliche Aktivitäten gehen Arten 1.000 Mal schneller verloren, als neue auf natürliche Weise entstehen würden. Wir befinden uns im größten Massenaussterben seit dem Ende der Dinosaurierzeit vor 65 Millionen Jahren.